Geschichte der Burg Herzberg

Die kleine Burg der Herren Romrod.

Von Frankfurt am Main über Grünberg nach Thüringen verlief die wichtige Heer- und Handelsstraße, die den Namen "Durch die kurzen Hessen" führte. Dies veranlasste den hessischen Marschall Heinrich von Romrod, auf dem 508 m hohen Basaltkegel des Herzbergs (damals Hirzberg) eine Burg zu bauen, die er nach dem Berg benannte. Wohl 1298 war der Bau beendet, denn in diesem Jahr trug er seinem Landesherrn, Landgraf Heinrich I. von Hessen, dem Enkel der heiligen Elisabeth, die Burg zu Lehen auf.

Erweiterung und Ausbau durch Hans von Dörnberg.

Ab 1441, also 30 Jahre hindurch wissen wir nichts über das weitere Geschehen um die Burg, bis im Jahre 1477 das Geschlecht von Dörnberg oder wie es sich damals nannte - von Döringenberg, in diesem Landstrich sesshaft (belehnt) wurde. Aus dem Dorf Dörnberg im Amt Wolfhagen, westlich von Kassel, stammend, wird die Familie in den Klosterurkunden dieser Gegend schon um 1100 öfter erwähnt. Im Herbst 1211 erfolgt die Belehnung mit dem zwischen Meißner und Werra gelegenen Besitz Frankershausen, nachdem sich ein Dörnberg bei der Heimholung der ungarischen Prinzessin, der "Heiligen Elisabeth" aus Preßburg, besondere Verdienste erworben hatte. Hier wurde am 10. April 1427 der spätere hessische Landhofmeister Hans von Dörnberg geboren. Dieser kluge und tatkräftige Mann, der im Alter von noch nicht einmal 30 Jahren der leitende Amtmann der Witwe des letzten Grafen von Ziegenhain war und nach ihrem Tode bei der Eingliederung der Grafschaft in die Landgrafschaft Hessen, dem Landgrafen Heinrich III. aufgefallen sein mochte, wurde von diesem um 1462 zum Landhofmeister ernannt. Um seiner Verdienste willen wurde er 1477 mit der Burg Herzberg belehnt, nachdem er bereits 1463 Schloss Hausen erworben hatte. Der Lehnbrief für Hans von Dörnberg wurde im Jahre 1492 vom Kaiser Friedrich und im Jahre 1493 vom Kaiser Maximilian bestätigt. Seit 1477 ist die Burg in ununterbrochenem Besitz dieser Familie. Der Landhofmeister Hans von Dörnberg ging sogleich daran die Burg erheblich zu vergrößern und nach der Erfindung des Schwarzpulvers, den neuen Erkenntnissen entsprechend, zu verstärken.

Der 30jährige Krieg

Eine unheilvolle Unterbrechung erfuhr das Leben auf der Burg durch den Ausbruch des 30jährigen Krieges, der auch für den Herzberg eine harte Bewährungsprobe bringen sollte. Wegen ihrer strategisch wichtigen Lage wurde sie als Landesfeste betrachtet und wiederholt von Truppen der Kaiserlichen bestürmt. Von den kaiserlichen Generälen Fugger und Tilly wurde sie 1631 belagert. 1635 versuchte der Marquis de Grana die Burg, die von Ludwig von Dörnberg und den hessischen Truppen mutig verteidigt wurde, zu nehmen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer fanden mit ihren Tieren Aufnahme und Schutz. Die Zahl von über tausend Menschen, die längere Zeit dort aushielten, wurde genannt. Auch der kaiserliche General Graf Isolani zog mit seinen kroatischen Truppen 1641 heran. Ihm und allen anderen trotzten die festen Mauern des Herzbergs und die mutigen Verteidiger der Burg. In allen Wirrnissen des 30jährigen Krieges wurde die Burg niemals eingenommen. Auch nach dem Westfälischen Frieden behielt der Herzberg seine militärische Bedeutung. Im Siebenjährigen Krieg sah die Burg abwechselnd Verbündete und Franzosen in ihren Mauern.

Die Geschichte der Freiherren von Dörnberg

Die zum hessischen Uradel gehörende Familie der Freiherren von Dörnberg kann auf eine lange ereignisreiche Geschichte zurückblicken, in deren Verlauf sich immer wieder Persönlichkeiten hervorgetan haben, deren Leben und Wirken bis heute unvergessen ist. Hierauf, sowie  auf das Amt des Erbküchenmeisters, mit dem die Freiherren durch den Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt am 18.April 1732 belehnt wurden, wird dieses Kapitel näher eingehen.

Das Amt des Erbküchenmeisters

Das dapifer, Drost, coquinarius, magister coquinae, propositi mensae, schlechthin das Küchenmeisteramt, das schon sehr früh neben dem des Truchseß bzw. Senneschalls bestand und mit diesem später verschmolz, ist wohl das jüngste der vier hessischen Erbämter. Der Küchenmeister oder Erbküchenmeister (dapifer) war ursprünglich der Vorsteher der Hofverwaltung. Schon früh ging seine ursprüngliche Hauptfunktion, die Hofverwaltung, an das Amt des Hofmeisters über, so dass der Erbküchenmeister lediglich nur noch die Aufgabe des Truchseß, die Aufsicht über die fürstliche Tafel, behielt und Vorschneider seines Fürsten war. Ohne wirkliche nominelle Funktion, außer dem Vorangehen beim Einmarsch der adligen Schüsselträger anlässlich besonderer Feierlichkeiten, gehörte es zu seinen Aufgaben, die dargereichten Schüsseln oder Teller seinem Fürsten oder auch anderen hohen Persönlichkeiten auf Anordnung seines Lehensherren vorzusetzen, abzunehmen oder weiterzureichen.

Johann von Dörnberg und der Ursprung

Die Familie von Dörnberg führt ihren Namen auf den Ort Dörnberg im Landkreis Kassel zurück (Thurinkiberge 1074). Ein Rettwardes von Döringenberg (urkundlich Doringeberc) taucht im Jahre 1100 als Zeuge in einer Urkunde des Abts Wigbert von Hasungen im Amt Zierenberg auf. Im Jahre 1146 erscheint als Zeuge Eppo de Duringeberc (Torengeberg), als Abt Heinrich von Hersfeld einen Streit im Kloster Hasungen entschied (Staatsarchiv Marburg). Der nächste Dörnberg, dem wir in der langen Kette der Namensträger begegnen, ist Johann von Doringenberg, der 1211 als Brautführer des Landgrafen von Thüringen und Hessen die vierjährige ungarische Prinzessin Elisabeth, Tochter des Ungarnkönigs Andreas, aus Preßburg/Ungarn an den Hof des Landgrafen auf die Wartburg brachte, wo sie nach Erreichung des heiratsfähigen Alters die Gemahlin des Prinzen Ludwig wurde. Als Entlohnung für seine Dienste erhielt Dörnberg das Gut Frankershausen im Meißnervorland als Lehen.


Der hessische Hofmeister Hans von Dörnberg   wurde am 23. Juli 1427 geboren  und diente der verwitweten Gräfin Elisabeth von Ziegenhain als Amtmann von 1456 bis zu ihrem Tode 1462. 1458 wird er als Femeschöffe der westfälischen Freistühle am Stuhl zu Freienhagen geführt, 1462 ist er im Dienst des Landgrafen Heinrich III. Im gleichen Jahr wurde er dessen Hofmeister, ein Amt, das Hans von Dörnberg 35 Jahre innehatte. Aufgrund der jugendlichen unmündigen Prinzen, war Hans von Dörnberg der eigentliche Herr Hessens. Dörnberg zeichnete sich sowohl durch seine überragenden politischen und organisatorischen Fähigkeiten aus als auch durch Klugheit, Tatkraft und Machtwille. Während seiner Zeit als Hofmeister versuchte er, dem inneren Verfall der Landgrafschaft Hessen (Vgl. Situation des Spätmittelalters unter Kaiser Friedrich III.),  durch weitreichende innenpolitische Reformen zu begegnen. Die Verbesserung der Landesverwaltung, die Zentralisierung der Finanzabwicklung, eine Reform des Justizwesens und die Erweiterung des Kanzleigerichtes zum Hofgericht, sowie energische Klosterreformen in der Zeit um 1480, kennzeichnen seinen Lebensweg. Er starb im Jahr 1506.


Johann Caspar I, Freiherr von Dörnberg 

In den politisch schwierigen Zeiten des 30 jährigen Krieges diente Johann Caspar I. (* 25.11.1616, + 30.10.1680) dem Landgrafen von Hessen als Kammerpräsident und Geheimer Rat sowie in diplomatischen Diensten in Paris und Wien. Er verhandelte für den Landgrafen von Hessen am Hof des Königs von Frankreich, Ludwig XIV, mit Kardinal Mazarin. Für seine Verdienste wurde er am 16. April 1663 von Kaiser Leopold in den erblichen Freiherrnstand erhoben und erhielt am 16. März 1664 das Prädikat Wohlgeboren.

Johann Caspar II, Freiherr von Dörnberg

Der erste dörnberg'sche Erbküchenmeister, Johann Caspar II., Freiherr von Dörnberg wurde am 17.5.1689 in Hausen geboren. Er war königlich schwedischer und fürstlich hessischer Regierungspräsident in Kassel, Geheimer Rat, bevollmächtigter Gesandter am ständigen Reichstag zu Regensburg von 1720 bis 1728, 1728 in Soissons.  Er starb in Thomary/Schweden am 06. Februar 1734.

Wilhelm von Dörnberg, der "Aufstandsdörnberg"

Das Leben und die Werke Wilhelm von Dörnbergs (* 14. April 1768, + 19. März 1850) erhielten Bedeutung und Richtung im Zeitalter der Revolutions- und Freiheitskriege (1792-1815). Er kämpfte in diesen Auseinandersetzungen als Truppenoffizier, als militärischer Führer und Diplomat der Widerstandsbewegung, in offenem Kriege und im Untergrunde, als hess., preuß., westf.-napoleon., brit. und hann. und als steckbrieflich verfolgter Flüchtling in unermüdlichem, mutigen, erfolgreichem und verlässlichem Einsatz für die Freiheit seines Vaterlandes und für die Beseitigung der franz. Fremdherrschaft in Mitteleuropa. Er war den führenden Geistern unter den Gegnern Napoleons auf den Thronen, in den Regierungen und in den Heeren des außerfranz. Europa durch persönliche und freundschaftliche Beziehungen eng verbunden, dem Range ihrer geschichtlichen Bedeutung nach gleichgestellt. Er war das Haupt der misslungenen hessischen Verschwörung von 1809 und Stabschef der „Schwarzen Schar" unter Herzog Wilhelm von Braunschweig, daher auch der "Aufstandsdörnberg“.